14.03.2010
Das Wattenmeer zwischen Naturschutz und Klimawandel
3.200 Tierarten leben im einzigen deutschen Walschutzgebiet, welches etwas größer ist als der Inselstaat Hawaii und in der Größe Schleswig-Holstein ungefähr abdeckt. Der niederländische, schleswig-holsteinische und niedersächsische Anteil am Wattenmeer (dem Größten der Welt) zwischen den Niederlanden und Dänemark wurde bereits 2009 UNESCO-Welterbe, voraussichtlich 2011 folgt auch dessen dänischer und hamburgischer Anteil. “Nationalpark” heißt es nur im deutschen Bereich (genauer gesagt: Es sind drei Nationalparks – schleswig-holsteinisch, hamburgisch, niedersächsisch), der Gezeitenrhythmus beträgt 6 Stunden und 20 Minuten.
Bis in die 1970er Jahre noch wurde nicht auf den Naturschutz geachtet, man legte weite Flächen trocken. Dies wurde dann in den 1980er Jahren eingestellt. Die globale Erwärmung bringt es nicht nur mit sich, dass sich Arten verschieben, d. h. neue hinzukommen, andere abwandern und wiederum andere verschwinden – sondern man blickt aus Sicht der Klimaforscher auf regelmäßigere Orkane mit bis zu 160 km/h, die da im nächsten Vierteljahrhundert folgen werden.
Möglich, dass das Wattenmeer verschont wird, weil es nun Welterbe heißt – ebenso möglich, dass sich der Meeresspiegel (um einen Meter bis Ende dieses Jahrhunderts) hebt und die wegen der “Salzwiesen” so sonst selten vorkommende Formung von Biotopen anderswo in der Welt, aber nicht mehr gerade dort gedeiht. Die Verschnellerung der globalen Erwärmung war schon lange zuvor ausgelöst worden – so manche, sich zuweilen nicht vollständig deckende Thesen gibt es, welchen Verlauf die Veränderung klimatischer Bedingungen für einzelne Gebiete im Besonderen haben könnte.
Es bleibt ein Rätsel, inwiefern die Überlegungen der Wissenschaft, was genau zum Erhalt des Wattenmeeres getan werden könnte, Frucht tragen würden. Man spricht nicht mehr von Deichen, sondern von Sturmfluten. Man spricht nicht energisch genug von Sandaufschüttungen (durch die Sylt überlebt), sondern davon, dass nichts in einem Naturschutzgebiet verändert werden darf. Grundsätzlich begegnet hier dieselbe Hilflosigkeit wie stets, wenn die Menschheit (nicht) begreift, dass man nun unausweichlich im Begriff ist, von Naturgewalten überrannt zu werden: trotz (klarem) Wissen, trotz (später) Einsicht.
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Autor: Silvio Fritzsche · Kommentieren · Trackback



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