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12.03.2010

Erklärbar, doch nicht fassbar: Der Geysir

Alle 92 Minuten kommt er wieder. 41 Meter hoch. Er heißt: “Old Faithful”. Die Rede ist vom treuen, zuverlässigen Geysir im Yellowstone Nationalpark – dem ältesten als solchen eingerichteten Gebietes in den USA, nämlich seit 1872. Geysire sind sicher überall auf der Welt zu finden, bekannte gibt es in Island, manche in der Eifel, aber das größte Geysir-Feld der Welt (mit 10.000 und mehr) befinden sich im Naturreservat der Rocky Mountains, welches sich 8.987 Quadratkilometer im US-Bundesstaat Wyoming durchschnittlich 2.440 m über dem Meeresspiegel befindet.

Geysir – das Grundwort ist ein isländisches, nämlich “Geysa” mit der deutschen Bedeutung “wirbeln” oder auch “strömen”. Was genau hier strömt, ist kochendes Grundwasser. Wie in einem Kessel wird dieses beständig erhitzt und, in regelmäßigen Intervallen schießt es, überkochend, durch einen engen Kanal als Fontäne hinaus. Im Yellowstone Nationalpark bestehen auch Schlammvulkane, die durch Mikroorganismen eigene Biotope bilden und Schwefel als Gas an ihr Umfeld abgeben.

“Old Faithful” befindet sich dort auf dem sogenannten “Upper Geyser Basin”. Auf 1,5 Quadratkilometern reihen sich hier 150 Geysire aneinander – auch hier wieder ein Superlativ: So hoch ist die Konzentration dieser kochenden Quellen nicht einmal an irgendeiner Stelle in Island oder andernorts auf der Welt.

Geysire strömen nicht nur, sie können auch nachdampfen. Beispiel: der “Castle Geysir” dort. Alle 12 Stunden bricht dieser aus (25 m hoch), hat aber nach einem Ausbruch noch eine Dampfphase. Ein anderer, der “Riverside Geysir”, bricht über einem Fluss aus – alle sechs Stunden: Ein einzelner Ausbruch dauert ganze 20 Minuten.

Geologisch sind Geysire sicherlich zu erklären, wie oben angedeutet. Jedoch auch der Yellowstone Park ist eine Aufforderung an den menschlichen Geist, sich seines tatsächlichen Auftrages gewahr zu werden: Während es ihm es sicherlich gegeben ist, möglicherweise mathematische Formeln zu nutzen, um das Internet zu erfinden und die weltweit zeitechte Kreditkartenabrechnung – so darf er ebenso das tun, ohne dass es niemals geht: die Natur als übermächtig, als schon vorher da gewesen zu erkennen – letztlich als eine Aufforderung zum Staunen.

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Autor: Silvio Fritzsche   ·   Kommentieren   ·   Trackback

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