7.09.2009
R wie Retreat
Yoga Retreat. Urlaub für die Seele.
Das Wort “Retreat” kommt aus dem Englischen und wird übersetzt mit: zurückziehen bzw. zurücktreten. Zurückziehen von was? Früh klingelt der Wecker, Aufstehen und Frühstücken; vielleicht ein kurzer Blick in die Tageszeitung, dann auf die Arbeit fahren. 8 Stunden und länger, wenig Zeit das Mittagessen genießen zu können. Dann geht’s es weiter, Arbeit um Geld zu verdienen. Zwischendurch vielleicht noch ein Cafe’. Für viele ist es dann schon Luxus, Zeit zu haben für die eigene Familie oder eigenen Hobbys nachgehen zu können. Von diesem Rhythmus werden wir bestimmt. Das Bild von einem Hamster im Laufrad kommt dem ganz nahe. Immer in Bewegung und doch treten wir irgendwie auf der Stelle. Oft fühlen wir uns ausgebrannt, abgeschnitten von Allem und fragen uns nach dem Sinn dieses Lebens.
Davon gilt es, Abstand zu gewinnen. Eine Auszeit für die Seele zu haben. Das ist mit Rückzug gemeint. Traditionell war es Indien den Männern vorbehalten, am Ende Ihres Lebens alle materiellen Besitztümer, aber auch Ihre Familie zu verlassen und noch dem höheren Sinn des Lebens zu fragen. Noch heute werden die sogenannten Sadhus von der Bevölkerung geliebt und verehrt. Diese spirituelle Praxis ist in Indien nicht lebensfremd, sondern fester Bestandteil des Lebens.
Für uns Westler ist diese Art von Spiritualität kaum zu vereinbaren mit unseren Wertvorstellungen im Bezug auf Familie und Lebensglück. Wie ich finde, muss das auch nicht so sein. Wir leben in Europa. Dennoch sollten wir uns dem nicht verschließen. Ein (Yoga-) Retreat setzt an diesem Punkt an.
In einer wunderbaren Umgebung, zusammen mit weltoffenen Menschen (mit oder ohne Yogaerfahrungen) verbringen wir Tage, losgelöst vom Alltag. Keine Gedanken daran, ob der Kühlschrank voll oder leer ist, wer die Kinder in die Schule schafft oder was auf Arbeit noch ansteht. Auf die Zeitung zu verzichten und stattdessen ein Buch zu lesen. Das Straßenlärm einzutauschen, gegen Vogelgezwitscher. Statt TV – Zeit zu haben für Gespräche oder einfach Faul einmal “nixtun” und sich von der Sonne streicheln lassen. Den Morgen zu beginnen mit Yoga und abzuschließen mit einer Meditation.
Am meisten beeindruckt hat mich nach meinen ersten Retreats das Essen. Eine Woche biologisch-vegetarische Verpflegung und das Gefühl zu spüren, nix (Fleisch) zu vermissen. Oft ist es so, dass die Zunge weiss belegt ist. Aus ayurvedischer Sicht handelt es sich hierbei um Ama (Giftstoffe) die sich im Körper und damit auch auf der Zunge ablagern. Nach einer Woche Yoga-Urlaub war der Belag weg und meine Zunge sauber.
Ein Retreat wirkt sich nicht nur unmittelbar auf unseren Körper aus. Auch das Mentale, ich meine damit unseren Geist, bleibt davon nicht verschont – im positiven Sinn natürlich. Wir haben die Möglichkeit auch unserem Kopf eine kleine Auszeit zugeben, Nicht-Nur-Denken zu müssen, sondern unsere Sinne zu nutzen, Riechen, Fühlen, Hören, Schmecken und Sehen. Das bewusste Loslassen kann dazu führen, das wir Gedanken-Blitze (Impulse) bekommen, tief aus unserem Unterbewusstsein. Neue Ideen für zu Hause. Kreativität und Möglichkeiten der Veränderung. Das schöne ist, diese Impulse kommen von allein. Wir müssen sie nur annehmen und umsetzen. Nich verschweigen möchte ich aber auch in diesem Zusammenhang, das alte – bisher nicht verarbeitete Dinge – auftauchen können. Die wir bisher nie angenommen haben und immer wieder verdrängt haaben. Wir werden mit unseren tiefsten Inneren Selbst konfrontiert. Das kann genau so zu einem Retreat gehören, wie all die positiven Momente. Eine Woche Yoga-Urlaub ist vorallem auch ein Reinigungsprozess für Körper, Seele und Geist.
Ich wünsche auch dir, dass du diese Erfahrungen machen kannst. zusammen mit anderen Menschen, die Freunde werden.
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Autor: Silvio Fritzsche · Kommentieren · Trackback







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