Yogatraumreisen

yogafrosch

26.02.2010

Reisen aus Verantwortung

Reisen, Urlaub, Urlaubsziele, sich verwöhnen lassen. Ganz einmal abgesehen davon, dass es durch regelmäßige Zeiten der Stille, selbstbewusstes Handeln oder ein ganzheitliches Gespür für Gesundheit in Körper und Geist ein Einfaches sein kann, sich in wiederkehrender Häufigkeit selbst zu verwöhnen – der Drang, neues zu entdecken, der Ehrgeiz, überall einmal gewesen sein zu wollen, macht den Menschen regelmäßig wieder zum Touristen, rechtfertigt die Flugindustrie, unterhält die Reisebranche und auch diejenigen, die verzweifelt versuchen, in den ärmeren Touristenzielen der Welt ganze Stadtteile nahezu steril (in einer Weise) herzurichten für die Geld gebenden Herrschaften von irgendwo anders, damit diesen durch den Blick auf Armut und Elend nicht die Ferienfreude genommen würde.

Doch Armut und Elend sind keine anonymen Ideenworte, sondern es handelt sich um Mitmenschen – nur eine Laune der Natur hat entschieden, von welcher Seite man den anderen Menschen zeit seines Lebens betrachten würde. Anders gesagt: Es ist purer Zufall, dass man selbst nicht in Haiti geboren wurde und dort sich derzeit unter jenen befindet, die überlebt haben, jedoch erst einmal lange Jahre verschwindend weit weg vom Standard europäischen Existenzminimums entfernt bleiben werden.

Der erwähnte menschliche Entdeckungsdrang und das Bedürfnis, die Urlaubstage nicht im eigenen Land verbringen zu müssen, bleiben Merkmal des Menschen. Doch das Bewusstsein über die Welt und die Achtsamkeit über scheinbare Willkürlichkeit, mit der derzeit Lebensstandards verteilt sind, definieren einen neuen Touristen: Dieser besucht nicht Länder, sondern Familien. Er leistet sich nicht selbst den Rausch, in wenigen Tagen die eigene Digitalkamera in Serie auf so definierte Touristenattraktionen anzusetzen, sondern er investiert denselben Betrag, den er als Souvenirjäger oder Museumsbesucher in sein zweiwöchiges Touristen-Dasein angelegt hätte, in das Schicksal einer Familie am Ort seines Ziellandes, die sich ohne die persönliche Begegnung (und wenn auch nur für den Urlaub) möglicherweise – bei allem Talent – niemals auch nur eine Mindestbildung hätte leisten können. Oder gesundheitliche Bedarfsdeckung. Haiti, so sagt man, habe noch – für lange Zeit – Aufgaben für viele Helfer – und ist als solches sicherlich eine Reise wert.

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Autor: Silvio Fritzsche   ·   Kommentieren   ·   Trackback

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