21.10.2010
Ein Date mit Anusara Yoga auf Kreta. Lovestory Teil 1
„In etwa zehn Minuten landen wir planmäßig in Heraklion. Die Ankunftszeit ist 9:00 Uhr Ortszeit. Die Temperatur beträgt 20 Grad und der Himmel ist wolkenlos. Wir wünschen ihnen erholsame Urlaubstage auf Kreta.“ so die Ansage des Flugkapitäns.
Triopetra – ein Platz für den modernen Großstadt-Yogi

Ja, ich bin wieder auf Kreta. Kein typischer Strandurlaub liegt vor mir. Vielmehr erwartet mich eine Woche Yoga-Retreat an der Südküste der Insel. Das Reiseziel heißt Triopetra. Den Namen verdankt dieser Strandabschnitt drei Felsen, die majestätisch aus dem Meer ragen. Ursprünglichkeit ist das Markenzeichen dieser Region. Bis vor 10 Jahren gab es keine asphaltierten Straßen hier. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es bis heute nicht. Private Unterkünfte statt Hotels, Individualtourismus statt Pauschaltourismus, gesunde und einfach Kost statt Fastfood. Vielleicht ist gerade deshalb Triopetra bei Yogis aus aller Welt so beliebt. Weil der Platz auch meiner Seele so gut tut, bin ich seit 2004 jedes Jahr hier und genieße die Kombination aus Urlaub und Yoga. In den Vorjahren war ich zum Jivamukti Yoga auf der Insel. Doch dieses Jahr gehe ich „fremd“.
Ich habe ein Date mit Anusara Yoga
Lalleshvari (Lalla) und Vilas vom Berliner Cityyoga Studio haben zur intensiven Yogapraxis mit Pranayama und Meditation eingeladen, insgesamt sechs Stunden Yoga am Tag. Das sind 36 Stunden Verbiegen, Atmen und Meditieren in der Woche. Genau das habe ich gesucht! Lalla und Vilas unterrichten Anusara-Yoga und haben in Berlin das einzige lizenzierte Anusara-Studio im deutschsprachigen Raum. Anusara bedeutet „sich im Fluss finden“ oder „dem Herzen folgen“. Als Ergebnis seiner 25-jährigen Yogapraxis hat John Friend Ende der 90er Jahre diesen Yogastil gegründet, um seine Ideen über Yoga Philosophie und Ausrichtungsprinzipien neu zu definieren und zur Beschreibung seines Unterrichtstils zu verwenden. Das war die Geburtsstunde von Anusara Yoga, eine moderne Hatha-Yoga Form, die den Weg über Amerika nach Europa gefunden hat. Auf mein Rendez-vous mit Anusara Yoga bin ich gespannt.
Das letztendliche Ziel aller körperlichen Praxis ist für einen Yoga Übenden die Meditation. Lalla und Vilas beginnen den Tag mit zwei Versen aus dem 6. Kapitell der Bhagavad Gita, der großen heiligen Schrift des Hinduismus. In diesem Kapitell wird Arjuna in die Geheimnisse der Meditation eingeweiht. Schlagwörter wie „wertfrei“, „selbstlos“ und „tun im nicht-tun“ sind die Wegweiser zum Raum von innerer Ruhe und Gelassenheit. Von den Versen lassen wir uns inspirieren und richten unsere tägliche Yogapraxis an ihnen aus. Früh am Morgen beginnen wir den Tag mit einer Gehmeditation, um dann an wunderschönen Orten die Meditation zu üben. Wir meditieren direkt am Strand, auf Felsklippen, auf einem Berg. Vor uns liegt das Meer und der Alltag liegt weit hinter uns. Das Rauschen des Meeres führt uns in die Versenkung. Wir sind angekommen im Yogaparadies.
Was macht Anusara Yoga aus?
Nach diesem sanften Start in den Tag, warten drei Stunden Anusara Yoga auf uns. Anusara Yoga basiert auf drei A’s:
- Einstellung (engl. Attitude)
- Ausrichtung
- Aktion
Eine optisch perfekt ausgerichtet Asana verliert ihre Kraft für eine tiefe Transformation, wenn sie ohne Absicht des Herzen ausgeführt ist. Die Einstellung, aus dem Herzen heraus zu üben, und das Gefühl (bhavana) geben einer Position das energetische Fundament. Neben der Einstellung ist die Ausrichtung wichtig für das Gelingen einer Asana. John Friend hat erkannt, dass jeder Körper eine angeborene Intelligenz besitzt, die nach Harmonie und Gesundheit strebt und bezeichnet das als „Blueprint“. Das Ziel ist es, unseren Körper wieder auf „Linie“ zu bringen, um Freiheit zu erfahren. Anusara Yoga nutzt hierfür beispielsweise Prinzipien wie – Gelenk über Gelenk, sowie innere und äußere Spiralen. Das klingt kompliziert, ist aber einfach in die Praxis umzusetzen. Trotz meiner 10 Jahren Yogapraxis bin ich beeindruckt von der neuen Qualität der einzelnen Körperhaltungen und lerne meinen Körper Faser für Faser neu kennen. Ansagen wie „wir bringen die Schulterblätter zusammen und stabilisieren so unser Herz“ machen plötzlich Sinn. Und es macht einen spürbaren Unterschied, ob wir wie im Anusara Yoga unser Herz zum Daumen bewegen oder die Daumen im Anjalimudra zum Herzen bewegen. Ersteres lässt mich deutlich mehr Raum und Weite im Herzen erfahren. Anusara Yoga nutzt die Jahrtausend alten Techniken des Hatha Yoga und integriert moderne Erkenntnisse der Biomechanik des Menschen in die Übungspraxis. Durch das genaue Ausrichten kann sich unser Körper an die für ihn optimale Position (sog. Blueprint) erinnern und speichert das ab. Beim nächsten Üben weiß unser Körper, was alles möglich ist. „Aus der Mitte des Herzen zur Peripherie strahlen“ dieses wunderschöne Bild, gelingt mir von Tag zu Tag besser während der Übungspraxis. Das Zauberwort heißt: Üben mit Hingabe.
Neben der körperlichen Praxis bleibt genügend Zeit, um sich auch mit theoretischen und philosophischen Themen auseinander zu setzen. Am vorletzten Tag stellt Vilas die drei Arten von Glück vor. Einer Theorie zu Folge gibt es spontanes Glück, welches sich plötzlich und erwartet einstellt, zum Beispiel beim Sehen eines Regenbogens und Sonnenuntergangs. Die zweite Art von Glück beschreibt er als „gekauftes“ Glück. Hierzu zählen all die Freuden, die man mit Geld kaufen kann, zum Beispiel Autos, Schuhe, Wellness aber auch Reisen gehören dazu. Und es gibt als dritte Art das „innere“ Glück, welches nur über die Meditation erfahren werden kann. Diese Form erfasst uns ganz. Dieses Glück ist jenseits von Freude und Leid, es ist zeitlos und grenzenlos.
Gerade der Mix aus Yogapraxis und Philosophie machen für mich den Reiz dieser Woche aus. Die Herzlichkeit, die Lalla und Vilas ausstrahlen, überträgt sich auf die ganze Gruppe. Die Tage vergehen schnell und der Abschied rückt näher. Was haben eine Yogareise und das Mantra AUM gemeinsam? Jede Reise hat einen Anfang und im Mantra symbolisiert das „A“ den Anfang. Das „U“ steht für Wachstum und das „M“ für das Ende. In jedem Ende liegt auch ein Neubeginn. Und so ist auch unsere Yogawoche nach sieben Tagen zu Ende und gleichzeitig beginnt eine neue Zeit wieder zu Hause.
Anusara Yoga auf Kreta war für mich Liebe auf den ersten Blick und mein Date mit diesem neuen Yogastil war ein voller Erfolg. Wir werden uns mit Sicherheit wieder sehen.
Mein besonderer Dank gilt insbesondere den beiden Anusara-Lehrern Lalla und Vilas aus Berlin vom Yogastudio “Cityyoga” (www.cityyoga.de ). Mit viel Herz, Leichtigkeit, Humor haben sie die Woche zu einem ganz besonderen Yoga-Erlebnis werden lassen. Für mich sind Lalla und Vilas ein absolutes Vorbild, wie sie Yoga vermitteln, leben und für uns da sind. Ich kann jedem nur empfehlen, eine Yogastunde bei ihnen in Berlin aus zu probieren oder sie auf einem Retreat zu erleben.

Ausblick: Anusara Yoga Immersion und Yogalehrer-Ausbildung an der Ostsee
Namaste’ Silvio
Impressionen von der Anusara Yoga Reise
Ähnliche Beiträge:
- A wie Anusara Yoga
- Yoga-Workshop “Kraft & Leichtigkeit” (Teil 2)
- Yoga-Workshop “Kraft & Leichtigkeit” (Teil 3)
- Yoga-Workshop “Kraft & Leichtigkeit” (Teil 4)
- Yoga-Workshop “Kraft & Leichtigkeit” (Teil 5)
Gebe eine Bewertung ab
Autor: Silvio Fritzsche · 7 Kommentare · Trackback




























7 Kommentare | Eigenen Kommentar schreiben
Hi, wenn man sich die Bilder mit den vielen glücklichen Menschen anschaut, ist nachvollziehbar, dass es ein toller und lehrreicher Yoga-Urlaub war.
Die farbigen Bilder von den 3 Felsen im Meer sind sehr schön fotographiert. Bei einer solchen Kulisse macht Yoga besonders Spass.
Die drei Felsen geben dem Strand den Namen. Trio Petra!! Es ist ein magischer Platz der viele Yogis anzieht und gerade die Sonnenuntergänge sind einfach wunderschön!! Kann ich nur empfehlen
Das ist eine sehr interessante Kombination: Yoga und Urlaub im schönen Griechenland. Da schlägt man gleich 2 Fliegen mit einer Klappe.
Yoga an einem feinsandigen griechischen Strand, das Meer plätschert, und man hat noch viele schöne Urlaubstage vor sich: Was kann es schöneres geben?
Diese wunderschönen Bilder von der Urlaubsinsel im Mittelmeer machen Lust auf Urlaub. Yoga und Entspannung unter blauem Himmel – das wäre genau das Richtige.
Hallo Sarah, es war Liebe auf den ersten Blick. Anusara Yoga, Meer, nette Menschen und ich will wieder hin!!
Kommentieren