3.08.2010
B wie Buddha
Buddha: mehr als eine Statue auf einem Altar
„Alles, was wir sind ist das Ergebnis dessen, was wir dachten. Wenn jemand ein bösen Gedanken ausspricht oder nach diesem handelt, wird Schmerz ihm folgen. Wenn jemand einen reinen Gedanken ausspricht oder nach diesem handelt, wird Glück ihm folgen – wie ein Schatten, der ihn nie verlässt“ Buddha
Irgendwann in meiner studentischen Laufbahn las ich das Buch Siddhartha. Wenig wusste ich davon, dass ich Jahre später Yoga-Kurse oder Meditationszentren besuchen würde und dabei vor einem Altar sitzen würde, dessen zentrale Figur Buddha ist. Seit langem schon repräsentiert Buddha ein Leben im Bewusstsein, die Fähigkeit im Jetzt zu leben, Glücksseligkeit, Nirvana, Erleuchtung. Mein Wissen über jenen gefeierten, spirituellen Lehrer war gering, jedoch beschäftigte ich mich zunehmend mit seiner Gestalt, seinem Namen und allem, was ich mit ihm verband.
Dann begann ich eine bestimmte Meditationstechnik buddhistischer Wurzeln zu studieren und lernte wieder etwas mehr. Anicca (alle Dinge sind unbeständig) bekam eine Art Mantra für mich. Meine Meditationstechnik wandelte Anicca in etwas um, das ich immer wieder aufs Neue in meinem Körper erlernte, anstatt etwas, das mein Geist verstand. Immer noch war Yoga, nicht der Buddhismus, meine gewählte Praxis und so vernachlässigte ich es erneut, mehr über den Mann hinter der Statue auf dem Altar zu lernen, dem Altar in diversen Yoga-Studios und Meditationszentren, in denen ich saß und ihm begegnete.
Als ich begriff, dass ich bereits die Vorzüge der Buddha-gewidmeten Meditationstechnik erlebte, wurde mir klar, dass es hilfreich wäre etwas mehr unter der Oberfläche zu tauchen und dadurch mehr über sein Leben zu erfahren. Dabei stellte ich fest, dass es viele Ähnlichkeiten in den Konzepten und Lehren gab, die mir bereits bekannt waren, dank der Welt des Yoga und der Meditation. So viele Male hörte ich die Stimmen zögerlicher „Möchte-Gern-Yoga-Schüler“, dass sie fürchteten, Yoga sei eine Religion und, dass wenn sie Yoga praktizieren ihrem Glauben, in dem sie erzogen wurden den Rücken kehrten. Ich wurde dadurch so vom Buddhismus abgebracht, dass ich davor zurückschreckte, mehr über Buddha zu lernen – und dass ironischerweise auf der Basis, dass ich seine Vorzüge bereits genoss. Wie einer jener „Möchte-Gerns“ hielt ich mich selbst fern von etwas, was vielleicht nützlich für mich sein könnte, nur weil ich im Gedanken der Religion feststeckte.
Ich bin froh, darüber hinweg gekommen zu sein.
Trainiere den Geistes und erkenne den Überfluss des Großmütigkeit
Die tägliche Yoga-Praxis liefert uns eine üppige Grundlage, um die Hypothese eines grenzenloses Universums zu testen. Wenn man einen vollendeten Yoga-Ausüber sieht, der die meisterliche Leistung des asana erreicht, heisst das nicht, dass du selbiges nicht auch erreichen könntest. Dennoch kann es mmanchmal über alle Maßen frustrierend sein, zu beobachten, dass jemand anderes das Ziel erreicht oder eine Haltung schafft, an der du schon lange mit viel Mühe aber ohne Erfolg gearbeitet hast. An dieser Stelle beginnt das eigentliche Yoga. Wenn du immer nur auf den Erfolg der anderen schaust und deren Größe bewunderst, dann stellt dich das nur in den Schatten derer und du verpasst vielleicht die Chance, auf deren Erfolgswelle mitzureiten. Die Yoga Sutras lehren uns eine kultivierte Freundlichkeits-einstellung gegenüber den Tugendhaften und Erfolgreichen. Anders gesagt, Yoga bittet uns, unseren Geist zu fixieren, um den Erfolg Anderer zu feiern und dies auch aufrichtig zu meinen. Dies geschieht nur, wenn wir die umfassende Natur des Lebens wahrhaft verstehen. Das Leben beurteilt uns nicht, wir tun das. Das Leben kreiert keine harten Züge von Ausschluss und Scheitern, wir tun das. Der Yoga-Geist verzichtet auf diese Beurteilungen und ersetzt sie durch die glückliche Akzeptanz, die wiederum zur Umsetzung von Großmütigkeit führt.
Der Pfad zu diesem endlos friedlichen Weg des Seins führt direkt durch eine weitere Stufe grundlegender Emotionen. Von einem rein egoistischen Standpunkt aus betrachtet ist es doch wie folgt: wann immer wir den Erfolg Anderer sehen, entwickeln wir meist negative Gefühle. Diese können Neid, Eifersucht, Wut oder sogar Depression sein. Sobald wir diesen verheerenden Rausch der Sensation fühlen, richten wir die Verzweiflung auf unsere innerste Sehnsucht hinsichtlich Anderer und uns selbst in einer sehr negativen Art und Weise. Wir erfinden Ausreden, warum diese Person eher Erfolg hat, den Erfolg, den wir uns so sehr wünschen. Wir erfinden Gründe, warum sie Dinge, die sie erreicht haben mehr oder weniger verdienen. Die Kluft entsteht, wenn wir mit ansehen müssen, wie sich ein Traum, an dem wir schon lange arbeiten, für jemand anderen erfüllt – und dies schmerzt. Es schmerzt, weil wir einen Spiegel sehen, der uns zeigt, was wir schon sein könnten aber noch nicht sind. Es ist jedoch nicht die Schuld des erfolgreichen Anderen, der es geschafft hat, diese Kluft zu überqueren. Sei es eine Yoga-Haltung oder ein Lebensziel, dass wir im Spiegel reflektiert sehen – Yoga lehrt uns über dieses Spiegelbild zu lächeln und damit Großmut zu beweisen and es lehrt uns, dem Lichtsignal zu folgen, welches die Quelle allen Lichts ist. Denn wenn wir uns bewusst trainieren, den Erfolg Anderer zu feiern, die die Großmütigkeit besitzen, die wir so bewundern, dann können diese zu unseren Lehrern werden. Im Spiegel des Erfolgs müssen wir unseren kleinen, engstirnigen Geist so fixieren, dass wir unser wahres Potential einfach erkennen können.
Wenn wir eine Person sehen, deren Kraft, Anmut und Schönheit großartig sind and wir dann ein Durcheinander an Gefühlen wahrnehmen, ist es an der Zeit aktiv die neue Praxis des Denkens anzuwenden. Dieses Yoga des Geistes bittet uns, neue Wege in das selbstlernende Netzwerk unseres Gehirns einzuarbeiten. Aus Gefühlen wie Ehrfurcht, Sehnsucht, Verlangen, Zweifel und Eifersucht kann sich ein wunderbar inspirierter Blick auf das ergeben, was wir sein können. Die Kluft zwischen „Wo wir sind“ und „Was wir wollen“ ist lediglich die Quelle aller negativer Emotionen, die wir in der Anwesenheit anderer Leute Größe fühlen. Es ist nicht deren Größe, auf die wir reagieren, vielmehr unsere eigene offensichtliche Kleinheit. Wenn wir uns in der Anwesenheit anderer Leute Größe dazu entscheiden, uns auf all die Gründe zu fokussieren, die uns zeigen, warum wir nicht an derartiger Größe gewonnen haben, werden wir immer klein in unserem Geist und in unseren Leben bleiben. Yoga lehrt uns, unserer eigenen Größe gegenüber offen zu bleiben und von jenen zu lernen, die die Standards uns vorausgehend festlegen. Über deinen eigenen Weg Glück zu empfinden und das dauerhaft, kann dir die glückliche Wahrnehmung liefern, dass es oft leichter ist, als zweiter zu gehen, weil der Weg bereits geebnet wurde. Als erster zu gehen, bedeutet wie ein Pionier den Weg überhaupt auszumachen – und das kann oft härter und beschwerlicher sein und verlangt einem auch oft mehr Kraft ab. Wenn du in die Fußstapfen der Großen treten möchtest, dann ist es oft einfacher, deren bereits ausgelegten Pfad entlang zu gehen, der stets vor dir liegt. Kurz gesagt: Wann immer du dich in der Anwesenheit derer befindest, deren Erreichtes du als großartig betrachtest, lege dein Ego ab und lerne!
Es hält dich ebenso nicht von deinen Errungenschaften ab, wenn jemand die gleiche Hürde meistert wie du. Es ist nicht weniger großartig, sich ebenfalls in einen Handstand zu begeben, wenn es ein anderer Yoga-Schüler es dir voraus tut. Wenn du den Verlust des Bodens spürst, nur weil andere gleiche Ergebnisse erzielen, dann handelst du von einer ego-basierenden Angst aus, die annimmt, dass es nur eine begrenzte Anzahl von Erfolg auf der Welt gibt. Wenn du eine herausfordernde Yoga-Haltung erlernst und jemand anderes sie ebenfalls meistert, macht das deinen Haltung nicht weniger wertvoll. Es bedeutet lediglich, dass es noch ein Anderer geschafft hat. Man könnte sogar sagen, dass wenn mehrere Menschen das gleiche Ziel erreichen, wird es für immer mehr Menschen einfachrer, auch dorthin zu gelangen. Anstatt es im Wert zu mindern, sollte man die Wirkung als großartig für weiteres Erreichen betrachten. Genaugenommen, wenn eine große Anzahl an Menschen in der Lage ist, den gleichen Pfad zu begehen, der ihnen ausgelegt wurde, ist die Vereinigung von Sehnsucht, Ziel und Ideal so stark, das jeder dieser Individuen als einzelner da stehen kann. Diese Einigung vervielfältigt die ursprüngliche Botschaft und verleiht ihr dadurch noch mehr Stärke.
Obwohl wir alle einzigartig sind und einen grundlegenden, nichtreproduzierbaren Beitrag an das Universum leisten, wird der Erfolg trotzdem von dir weichen, wenn du beginnst zu denken, dass du es wert wärest an einem besseren Platz zu sein, nur weil du mehr erreicht hast. Stattdessen ist dir Erfolg garantiert, wenn er als eine Reflexion eines glücklichen inneren Zustands ist und mit einer zen-gleichen Nichtbezogenheit zu Ergebnissen oder Leistungen betrachtet wird. Ebenso wenn du Erfolg aufrecht erhältst und gleichzeitig seinen Verlust fürchtest, dann bist du in einer kleinlichen Art und Weise des Daseins gefangen, die davon ausgeht, dass es nur eine geringe Anzahl von Erfolgsgutscheinen gibt und dass die einzige Methode gleiche Ergebnisse zu erzielen, die ist, diese Gutscheine von anderen zu stehlen. Aber das ist weder wahr noch realistisch. Wenn du glaubst deine Werte beschützen zu müssen, indem zu Sphären des Einflusses kreierst, in denen deine Kraft der ultimative Will ist, wirst du einen Krieg von Welten, Menschen und der Gesellschaft heraufbeschwören, der dann eigentlich alles zerstört, was dir lieb ist. Die Weisheit des Yoga lehrt dich, deine Verbindungen zu deinen Errungenschaften zu entspannen. Nur dann wirst du mehr haben, als es dir je denkbar möglich war.
Langzeit-Yoga-Schüler lernen, dass wenn du eine wahrhafte große Person sein möchtest, musst du nicht nur den Gewinn materiellen Erfolgs und Errungenschaften meistern, sondern auch die erleuchtete Perspektive losgelöst und friedlich bleiben zu können, und zwar genau wenn es Zeit dafür ist. Die Wahrheit ist, dass trotz unserer Grundstücksgesetze, des Copyrights und Besitzurkunden wir eigentlich nichts wirklich besitzen oder kontrollieren. Genau genommen, haben wir es alles nur auf Kredit der energetischen Welt und schon morgen könnte alles dahin sein. Statt Besitztum sollte das Verwaltertum der erleuchtete Weg durchs Leben sein. Erfolg ist kein Besitz wenn wir ihn erringen. Stattdessen ist es eine Erfahrung, die wir dazugewinnen und die vorbeigeht. Versuchen wir uns daran festzuhalten, werden wir es verlieren. Wenn wir es mit tiefer Sehnsucht und schmerzhafter Bindung versuchen zu ergreifen, werden wir es nie erreichen. Jede Erfahrung kommt in unser Leben, um uns zu bereichern und dann verlässt sie uns wieder. Manchmal lieben wir, was wir haben so sehr, dass wir keine Veränderung wünschen. Manchmal hassen wir, was wir haben so sehr, dass wir unbedingt eine Veränderung herbeisehnen. Aber Yoga hilft uns zu erlernen, dass die Realität des Lebens so ist, dass sich alles verändert, und zwar früher oder später. Nichts in der materiellen Welt hält für immer, also kommt der einzig anhaltende Friede vom Anpassen unserer Sinne des Selbsts an die ewige Natur, indem unser Wesen lebt. Das zurückbleibende Gefühl jeder Erfahrung ist ein Echo der Liebe, welche in unsere Seelenerinnerung eingraviert ist. Dieses Fenster zur Ewigkeit ist alles, von dem wir hoffen, dass es uns überdauern wird.

Und wo geht die nächste Yogareise hin?
Hier gibt es alle Termine im Überblick.
Omm & weg!
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